Lebensführung - im weitesten Sinn Anti-aging
Anti-Aging - Prävention und Therapie der Altershaut. Wie können wir das Hautorgan und somit unser Aussehen und zum Teil Fühlen vor einer vorzeitigen Alterung schützen, wie den biologischen Alterungsprozess verzögern?
Primärprävention
Die primäre Prävention muss im Kindesalter beginnen! Der wichtigste Faktor ist ausreichender und konsequenter Schutz vor ultravioletter Strahlung durch physikalische und chemische Schutzmassnahmen, das heisst durch entsprechende Kleidung sowie topische UV-Filter mit hohem(>40 SPF). Im Lebensabschnitt der Adoleszenz kommen dann noch andere Faktoren dazu, welche sehr wohl zur Lebensführung gehören: Schlaf-, Trink-, Sexual-, Nikotin und weitergehende Suchtverhalten. Zum Thema Tabakkonsum: Neben den vielfältigen anderen medizinischen Risiken ist Rauchen auch für eine vorzeitige Hautalterung verantwortlich (freie Radikalenbildung) und daher unbedingt zu meiden.
Sekundärprävention
Freie Radikale, wie sie sowohl bei der intrinsischen (angeborenen, vererbten, ca. 20% Anteil) als auch bei der extrinsischen (von aussen zugeführten, selbstzugefügten, ca. 80 % Anteil) Hautalterung zunehmend auftreten, können durch antioxidativ wirksame Substanzen abgefangen werden. Vitamin E Findet sich im Zellinneren als Schutzenzym vor Radikalen, die im Fettstoffwechsel und bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien entstehen. Im Alter sinkt der Vitamin-E-Gehalt der Epidermis. Die Wirksamkeit von über die Haut zugeführtem Vitamin E ist durch mangelndes Eindringen des Moleküls leider limitiert. Vitamin C fungiert als Antioxidans, indem es Vitamin E regeneriert. Daneben besitzt es eine differenzierungsfördernde Wirkung in der Epidermis, die Oberhautzellen werden also wieder vermehrt zu reifen Zellen. Die perkutane Zufuhr des leicht oxidierbaren Vitamins C über Crèmezubereitungen ist schwierig. Präparate mit stabilisiertem Vitamin C sind jedoch auf dem Markt, und ihre regenerierende Wirkung wurde durch neueste Experimente belegt. Coenzym Q 10 (Ubichinon) ist ein membranständiges Antioxidans und ein Elektronenüberträger der Atmungskette, dessen Gewebskonzentration mit dem Alter ebenfalls abnimmt. Unter Applikation von Coenzym Q 10 wurden die Reduktion des oxidativen Stresses, die Verminderung der Kollagenaseaktivität und somit eine Faltenabnahme gezeigt.
Obgleich für die Vorbeugung von Alterungsprozessen die Zufuhr von Antioxidanzien sinnvoll erscheint, ist unklar, ob diese beim Menschen nur als Nahrung oder auch als "Nahrungsergänzung" wirksam sind. Topisches Tretinoin bindet wie alle Vitamin-A-Derivate an spezifische Bindungsproteine der Zellen und führt noch Aufnahme in die Zelle zu einer gesteigerten Kollagensynthese, einer Abnahme kollagenabbauender Enzyme und zu einer Erhöhung der Zellproliferation. Im Weiteren ist die nachlassende Hormonproduktion über weite Lebensabschnitte ein wichtiger Faktor der biologischen Alterung. Um Alterungsvorgänge aufzuhalten und so die Lebensqualität zu erhöhen, werden Hormone wie DHEA, DHEAS und Melatonin in grossem Umfang rezeptfrei zur Nahrungsergänzung verkauft. Gesicherte Nachweise über deren Wirksamkeit in der Behandlung der Altershaut fehlen.
Östrogenrezeptoren wurden in Keratinozyten und Fibroblasten identifiziert. Studien demonstrieren einen Effekt von 17-ß Oestradiol auf die Hautdicke, ihre Elastizität und Fältelung, die Haut sieht frischer und somit weniger "welk" aus. Die mit dem Alter einhergehende Verminderung von Kollagen kann - bis zu einem gewissen Grad - durch systemische, aber auch topische Östrogensupplementierung rückgängig gemacht werden.
Im Gegensatz zu den verschreibungspflichtigen Östrogenen dürfen Phytoöstrogene auch in kosmetischen Mitteln eingesetzt werden. Phytoöstrogene sind Substanzen pflanzlicher Herkunft wie Isoflavonoide und Lignane, welche unter anderem in Sojabohnen, Grüntee und Ginseng enthalten sind. Sie könnten also einen positiven Effekt auf unser Äusseres haben. Da die Umwandlung dieser Stoffe zu östrogenähnlichen Phenolen jedoch erst im Gastrointestinaltrakt erfolgt, ist bislang unklar, ob eine topische Applikation von phytoöstrogenhaltigen Externa vergleichbare Effekte erzielen kann.
Zusammenfassend gibt es den Jungbrunnen nicht, aber mit einer vernünftigen Lebensführung welche eine gute Primär- und Sekundärprophylaxe beinhaltet, ist es möglich länger Jung zu bleiben.
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